In der SEO-Welt sehen wir ein interessantes Muster: Die Optimierung für KI-Systeme wird als Unter-Disziplin von SEO betrachtet.
Nach dem Motto: Das machen wir noch ein bisschen mit.
Diese Sichtweise beruht auf drei zentralen Argumenten – die wir in diesem Artikel kritisieren. Aus unserer Sicht wird hier maßlos unterschätzt, wie groß der Wandel ist. Mit ein bisschen Anpassung ist es nicht getan.
In Zukunft wird sich alles um die Sichtbarkeit und Relevanz in KI-Systemen drehen. Das „alte Google“ spielt eine wichtige, aber untergeordnete Rolle.
1. Argument: „KI-Systeme spielen nur eine untergeordnete Rolle“
In letzter Zeit sind eine Reihe von Studien erschienen, die betonen, dass KI-Systeme nur eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu Google spielen. So zum Beispiel die Studie von Cloudfare (hier beim Kollegen Christian Kunz von SEO Südwest besprochen). Entscheidend ist jedoch die Vergleichsmetrik: Es wird jedes Mal der Traffic-Anteil herangezogen. Also aus welchen Quellen Klicks auf Websites kommen.
Diese Sichtweise hat jedoch mehrere Haken:
- Falsche Metrik: In KI-Systemen müssen die User grundsätzlich nicht mehr klicken. Sie erhalten ihre Antworten direkt im KI-Chat. KI-Systeme werden also immer für weniger Traffic sorgen.
- Unbekannte Nutzung: ChatGPT (und weitere KI-Systeme) steht seit Monaten in den Download-Charts der App-Stores auf Platz 1. Was in dieser App stattfindet, wird nicht gemessen.
- Google wandelt sich ebenfalls: Auch Google wandelt sich zum KI-System. Sei es über den AI Mode, der bereits weltweit ausgerollt ist. Oder über die eigene KI-App Gemini.
Es ist völlig klar, dass die Nutzung von KI-Systemen noch vergleichweise am Anfang steht. Aber es ist ein komplett verstellter Blick, wenn man auf die reinen Traffic-Zahlen von heute schaut – und daran seine Zukunftsstrategie ausrichtet.
2. Argument: „Wer SEO macht, macht GEO gleich mit“
Wie man für Sichtbarkeit und Relevanz in KI-Systemen optimiert – hier steht die Branche noch ganz am Anfang. Maßnahmen, die empfohlen werden, ist zum Beispiel die „GEO-Optimierung“ von Content. Hier soll auf verständliche Sprache, kurze Absätze und Keywords geachtet werden – also genau die gleichen Maßnahmen wie in SEO. Ein Argument dafür ist: Wer in Google vorne steht, wird häufiger als Quelle herangezogen.
Auch diese Argumentation hat mehrere Schwächen:
- KI-Funktionsweise: KI-Systeme können aus sich heraus komplexe Texte „verstehen“ und strukturieren. Sie benötigen hierfür keine „mundgerechten“ Texte.
- Suche als Unter-Funktion: Die Such-Funktion in KI-Systemen ist eine untergeordnete Funktion. SEO ist also ein Teil von GEO.
- Grounding-Prozess: Manchmal aktiviert die KI das Grounding, also die Suche im Rahmen der KI-Antwort-Generierung. Dann werden jedoch eine Reihe von Suchabfragen gestellt, ausgewertet und weiter verarbeitet. Der Prozess ist deutlich komplexer. Die alte Formel „Top-Ranking = Traffic“ gilt nur bedingt.
Mehr dazu in diesem Beitrag von uns: GEO-Texte sind keine SEO-Texte.
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3. Argument: „SEO ist messbar. KI-Optimierung nicht“
Es wird hervorgehoben, dass in SEO Rankings und Traffic messbar sind. In KI-Systemen dagegen seien die Antworten dagegen jedes Mal anders. Es gibt nichts, woran man sich in einer Analyse halten kann. Auch hier findet man mehrere Gegenargumente:
- Rankings werden wertlos: Seit der Einführung der AI Overviews ist klar: Selbst wer auf Platz 1 steht, erleidet üble Traffic-Verluste. Viele User geben sich mit KI-Zusammenfassung zufrieden und klicken deutlich seltener. Rankings sagen schon jetzt kaum noch etwas aus.
- Leere Keywords, Dark Keywords: In der Praxis sieht man immer wieder: Manche Keywords haben angeblich sehr hohes Suchvolumen – liefern aber kaum noch Traffic. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Google Ads, Google Integrationen, Bot Traffic. Umgekehrt sind im Longtail-Bereich 75 Prozent der Keywords nicht sichtbar (Dark Keywords). Vieles ist in SEO eben schon lange nicht mehr so klar.
- AI Visibility Analytics: Auch wenn KI-Systeme nicht immer exakt die gleiche Antwort geben: Wer seine Prompts über einen längeren Zeitraum misst, bekommt vergleichbare Antworten und stabile Industry Rankings. Hier mehr über KPIs in GEO & LLMO.
Aktuelle Studie: ChatGPT wird immer stärker für Suche genutzt
Das Research Team von OpenAI hat gemeinsam mit einem Harvard Ökonomen und dem National Bureau of Economic Research (NBER) eine Studie erstellt. Hierfür wurden 1,5 Millionen Prompts anonym ausgewertet. Es ist die erste Studie, die in der Tiefe zeigt, wie ChatGPT genutzt wird.
Drei zentrale Erkenntnisse:
- Private Nutzung: Die private Nutzung nimmt immer mehr zu. Der Anteil nicht-arbeitsbezogener Messages ist von 53 Prozent (Juni 2024) auf 73 % (Juni 2025) gestiegen.
- Nutzung wie eine Suchmaschine: In der privaten Nutzung machen „Practical Guidance“ und „Information Seeking“ 53 Prozent der Nutzung aus (Seite 15). Beides sind typische Aktivitäten, die man sonst über Google durchgeführt hat.
- Suche steigt: „Information Seeking“ wächst – von 18 Prozent auf 24,4 Prozent in einem Jahr. Nach Produkten zu suchen ist ein Teil davon („Purchasable Products“). Viele Integrationen wie den Shopping-Feed gibt es auch erst seit kurzem.
Insbesondere höher gebildete nutzen ChatGPT für Suche und Entscheidungsfindung. ChatGPT liefert ihnen maßgeschneiderte Antworten und neue Ideen. Die Informationen dafür kommen aus dem Sprachmodell und der integrierten Suche („Grounding“).
Nach Aussage der Studie nutzen rund 10 Prozent der Weltbevölkerung bereits ChatGPT. Hierzu muss man ergänzen: ChatGPT ist nur ein KI-System von vielen Auch andere KI-Systeme sind auf dem Vormarsch.
Hier geht es zur Studie (PDF-Dokument und Pressemitteilung von OpenAI.)
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Mit großer Zufriedenheit blicke ich auf das SEO-Projekt zurück, dass wir mit Benjamin und Fabian durchgeführt haben. Zum einen war die Zusammenarbeit auf einer sehr sympathischen, zielorientierten Ebene. Zum anderen war die Beratung so ausgerichtet, dass wir direkt mit der Umsetzung loslegen konnten. Wir haben ganz konkrete Optimierungsvorschläge bekommen, die auf unsere internen Kapazitäten abgestimmt waren und daher auch realistisch umsetzbar waren. Auch wenn erst ein paar Monate vergangen sind, können wir jetzt schon erste Früchte unserer Arbeit in den Google-Rankings sehen. Der Traffic bei den für uns relevanten Keywords nimmt stetig zu und wir haben noch genug konkrete Arbeitspakete von Benjamin in der Pipeline, mit denen wir unsere Site boosten können. Außerdem haben wir durch die Beratung intern so viel SEO-Know-how erworben, dass wir inzwischen selbständig unsere Site optimieren können. Und das Wichtigste: Die Besucherzahlen haben sich verdoppelt – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf den Umsatz.





















